Warme Füsse soll kein Luxus sein

Alles begann, als das Metro World Child Team während eines Einsatzes an einem kalten Wintertag in Rumänien realisierte, dass viele der Roma Kinder gar keine richtigen Schuhe haben. Die meisten Kinder trugen dreckige, kaputte Kleidung mit durchnässten oder gar keinen Schuhen

Warme Füsse sollte in Rumänien künftig kein Luxus mehr sein, beschloss das damalige Team. So hat das Projekt Warme Füsse vor rund 13 Jahren gestartet. Seither stricken engagierte Menschen aus der Schweiz und ganz Europa jedes Jahr warme Wollsocken in allen Grössen und Farben. An Weihnachten werden dann die dazu von Metro gekauften warmen Winterstiefel mit Socken, Schals, Mützen, Handschuhe, Decken, Baby Bags und vieles mehr durch ein Einsatzteam von Freiwilligen in den armen Roma Dörfern in der Umgebung von Shigisoara verteilt – zusammen mit der Metro Sonntagsschule. Denn nebst der warmen Kleidung und Füssen ist das Programm ein wichtiger Bestandteil, um den Kindern und Familien die frohe Botschaft mit der Weihnachtsgeschichte zu erzählen.

Ligia, Initiatorin und Mitgründerin von Metro Ministries Rumänien gibt uns einen persönlichen Rück- und Ausblick:

Was bedeutet für dich persönlich das Warme Füsse Projekt?

Warme Füsse ist mehr als ein Projekt, sondern ein lebendiges Netzwerk von Menschen aus verschiedenen Ländern, denen es ein Anliegen ist, Menschen in Not die Liebe Gottes zu zeigen. Die Bewegung verbreitet sich jedes Jahr unter Tausenden von Leuten, die auf verschiedene Weise dazu beitragen, dass diese Arbeit möglich wird. Es ist unglaublich. Es zeigt uns, dass Gott auch die kleinen kalten Füsse und Hände, die Babys und all die Menschen am Herzen liegen, die von allen unbeachtet in ihren von Schlamm umgebenen Hütten leben. Unser Vater im Himmel führt die Menschen und Dinge zusammen. Wir wollen den kleinen Jungen und Mädchen an den Stadträndern und in den Dörfern zeigen, dass Gott sie mit Namen kennt und weiss, wie gross ihre Füsse und Hände sind und dass sie ihm so wichtig sind, dass er zusammen mit uns unterwegs ist und sie besucht.

Was hat dich während des Einsatzes berührt?

An einem Einsatz in einem der ärmsten Dörfer kamen wir an einen sehr schmutzigen Ort. Der Gedanke, dass hier in diesen kleinen Zimmern Menschen leben, war beinahe unvorstellbar. Der Schlamm stand knöchelhoch, aber die Liebe, mit der wir empfangen wurden, war unglaublich. Ich kann mir vorstellen, wie schwierig es sein muss, an einem solchen Ort Teppiche sauber zu machen – ohne fliessendes Wasser, im Winter und ohne genug Geld für das tägliche Brot, geschweige denn für Waschmittel. Doch mit strahlendem Lächeln und warmen Herzen wurden wir mit unseren schmutzigen Schuhen und Hosen ins beste, blitzsaubere Zimmer des Hauses eingeladen. Es tat mir im Herzen weh, die kleinen Teppiche schmutzig zu machen. Doch es war mir eine Ehre, diesen einfachen, aber freundlichen Menschen dienen zu können, die unseren Besuch mehr schätzten als die schwere Arbeit, die es bedeutete, das Haus nach dieser Schlammflut wieder sauber zu machen.

In diesem Jahr spürte ich noch stärker als sonst, dass es nicht nur darum geht, ihnen die Hilfsgüter zu bringen, die so sehr gebraucht und geschätzt werden. Nein, es geht auch darum, für eine Gruppe von Menschen da zu sein, die innerlich zerbrochen sind und äusserlich von der Gesellschaft so oft eingeschränkt werden. Es ist unsere Aufgabe, ihre Identität als Menschen anzuerkennen, die nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, und für sie einzutreten, damit sie von Unterdrückung befreit werden und wissen dürfen, dass sie geliebt und angenommen sind.

Was hat sich seit dem Beginn verändert?

Gute Veränderungen sind oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Aber mit der Zeit sieht man sie. Wenn eine Familie mit geringem oder gar keinem Einkommen Stiefel für drei bis vier Kinder oder sogar mehr als sieben bis acht Kinder bekommt, ist das ein grosses Geschenk. Für die Kinder verändert das sehr viel: Sie können weiter zur Schule gehen und draussen spielen, ohne dass ihnen kalt wird, weil sie ihre Sommerschuhe tragen müssen oder keine Socken, Handschuhe oder Mützen haben. Da die Häuser klein sind, haben sie nicht viele Alternativen durch Spielsachen oder andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.

Januar und Februar sind die kältesten Monate in Rumänien. Da halten die gefütterten und wollenen Socken die Kinder warm. Im März und April gibt es viel Regen, und die armen Dörfer und sogar Stadtgebiete versinken im Schlamm. Die Gummistiefel sind ein guter Schutz gegen Nässe und Kälte, wenn es Frühling wird.

Wir haben Kinder getroffen, die ihre Stiefel sogar noch im April getragen haben.

Unsere Hilfe bedeutet, dass diese Kinder in all den Jahren weiter zur Schule gehen und die weiterführende Schule oder eine Fachschule besuchen konnten. Die Familien konnten das wenige Geld aus der Sozialhilfe oder ihrem Lohn verwenden, um Essen oder Heizmaterial zu kaufen. Damit wurde das Leben für sie in den Wintern, in denen das Warme Füsse Team sie besuchte, etwas leichter.

Nachdem wir zwölf Jahre lang jedes Jahr diese praktische Hilfe geleistet haben, die sich für drei bis vier Monate im Jahr auf das Leben eines Kindes auswirkt, sehen wir, dass sich in vielen Dörfern etwas verändert hat. Die Häuser sehen besser aus, die Kinder benehmen sich besser, es gibt weniger Gewalt und mehr Dankbarkeit und man spürt mehr Zuversicht bei Begegnungen mit Menschen.

Natürlich versuchen wir jedes Jahr denen zu helfen, die am stärksten in Not sind. Wenn wir an Orte zurückkehren, können wir sehen, dass der Einsatz nicht vergebens war. Er hat den Samen gesät, aus dem Früchte wachsen.

Nicht gering war meine Überraschung vor Weihnachten, als eine Gruppe von drei bis vier jungen Männern an die Tür unseres Hauses klopften. Sie wollten Weihnachtslieder singen. Das ist bei uns eine schöne Tradition. Dann fiel mir auf, dass ich sie kannte. Es waren erwachsene Jungen aus einem Dorf, das wir von Anfang an jedes Jahr mit Warme Füsse Gütern besucht hatten. Wir haben dort Strassensonntagsschulen durchgeführt. Es war beinahe unmöglich gewesen, mit den Jungen aus diesem Dorf zu arbeiten. Sie waren zornig und unruhig, konnten sich kaum konzentrieren, stahlen gern und verletzten die ganze Zeit die Regeln.

Ich schaute sie an – sie waren sauber, gut erzogen und respektvoll.

Sie sangen wunderschön, und dann fragte ich sie, ob sie sich an uns erinnern würden. „Ja natürlich,“ sagten sie. „Deswegen sind wir hergekommen. Wir wollten euch Hallo sagen.“ Dann fragte ich sie, ob sie noch die vier wichtigsten Punkte kennen würden. Und mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht sagten sie mir alle vier auf: „Jesus liebt mich. Ich habe gesündigt. Jesus ist für mich gestorben. Ich muss mich entscheiden, für Gott zu leben.“ Ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Es ist nie zu spät, um Veränderungen zu sehen.

Was ist dein Wunsch für die Roma Kinder und deren Familien?

Ich war in den letzten 28 Jahren meines Lebens mit den Roma unterwegs. Ich habe ihre Kämpfe, den Schmerz, die Armut und manchmal die Hoffnungslosigkeit gesehen, wenn sie das Gefühl haben, nicht mehr weitermachen zu können oder nicht das nötige Wissen zu haben, um weiterzumachen und den Weg zu finden.

In Anbetracht der komplexen Bedürfnisse, denen sie gegenüberstehen – körperlich, emotional, geistlich und sozial – sind dort, wo wir uns täglich investieren, eine langfristige Perspektive und echtes Engagement nötig, um mit Liebe und Annahme und dem Willen, an ihrer Seite zu stehen, zu ihnen durchzudringen. An diesen Orten haben wir wunderbare Veränderungen erlebt: Kinder wachsen mit Hoffnung auf, erreichen grossartige Dinge und verwirklichen Träume wie ein Universitätsstudium, haben gute Familien und eine feste Arbeit und kümmern sich gut um ihre eigenen Kinder.

Ich wünsche mir, dass wir mehr Mitarbeiter finden, die solche Menschen für sie sein können. Der Bedarf ist so gross.

Ich wünsche mir, dass wir ihnen Hoffnung und die Möglichkeit geben können, sich wie jedes andere Kind zu entwickeln. Sie sollen ihre Kindheit geniessen und in den Kindergarten gehen können, um die Welt zu entdecken und sich zu entwickeln. Sie sollen ihren Geburtstag feiern und voll Selbstvertrauen in die Schule gehen können, wo sie akzeptiert werden. Sie sollen Kleidung, Schuhe und Schulsachen haben und ein Pausenbrot, das ihnen Energie schenkt. Sie sollen in ein Zuhause zurückkommen können, in dem sie die Möglichkeit haben, alle paar Tage zu duschen oder zu baden und in dem sie ein Bett zum Schlafen haben, das ihnen etwas Privatsphäre gibt.

Sie sollen einen ruhigen Ort haben, an dem sie ihre Hausaufgaben an einem Tisch machen können und dabei liebevoll unterstützt werden. Sie sollen einen Spielplatz haben, den sie in ihrer Freizeit für verschiedene Aktivitäten nutzen können, statt nur mit Erde und Steinen zu spielen wie die Kinder in Albesti, Seleus, Saes und so weiter.

Ich wünsche mir, dass die Eltern eine geregelte Arbeit haben und sich auf respektable Weise ihren Lebensunterhalt verdienen können und nicht von Tür zu Tür gehen müssen, um nach Gelegenheitsarbeit zu fragen oder um nach Essen zu betteln. Ich wünsche mir, dass sie besser lesen und einen Beruf lernen oder ihren Garten bestellen können, um Gemüse anzubauen und ihren Kindern eine gutes moralisches Beispiel zu sein.

Ich wünsche mir, dass die Teenager und Frauen der Roma nicht die Ersten sind, die dem Menschenhandel ausgesetzt und davon ausgebeutet werden, weil sie durch Armut und emotionale Schwäche dorthin getrieben werden und es für sie ein Ausweg aus ihrer schwierigen Lebenssituation zu sein scheint.

Ich wünsche mir, dass ihre Träume lebendig werden und sie mit den einzigartigen und wunderschönen Gaben, die Gott in sie hineingelegt hat, andere um sie herum beschenken und das Leben führen können, das Gott für sie vorgesehen hat.

Beten Sie mit uns, dass Gott die Samen, welche wir in diesen Dörfern in all den Jahren gepflanzt haben, weiterwachsen lässt. Wir glauben, dass was wir alle gemeinsam im Vertrauen aufgebaut haben, durch Gottes Stärke und Kraft langfristig wirken wird. Wir danken an dieser Stelle – unseren Strickenden, den Einsatz-Teilnehmenden und allen, die uns grosszügig immer wieder mit Zuwendungen beschenken – für diese Unterstützung. Ihre Hilfe lässt Herzen brennen!


WARME FÜSSE PROGRAMM

Im 2018 Jahr waren es rund 50 Teilnehmende aus der Schweiz, Deutschland, Belgien, Schweden und USA zusammen mit dem Metro-Team in Rumänien. Es wurden 4’000 kg Strickwaren an über 5’000 Roma Kinder und Familien während 5 Tagen verschenkt und ihnen dadurch Gottes Nächstenliebe ganz praktisch gezeigt.

Möchten Sie mithelfen? Mehr dazu unter www.warme-fuesse.ch


 

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