Öffne mir die Augen

Herr, öffne du mir die Augen. Ich weiss noch genau, wie ich vor fast genau acht Jahren dieses Lied in einem Gottesdienst mit Pastor Bill gesungen habe. Damals war mir noch gar nicht klar, welche Bedeutung diese Worte einmal in meinem Leben haben würden – und trotzdem hat Gott meine Worte gehört und erhört.

Ein paar Monate nach diesem Gottesdienst packte ich meine Koffer und begab mich zum ersten Mal in meinem Leben auf eine Reise weg von meiner Familie und meinem gewohnten Umfeld für ein Praktikum bei Metro in New York City. Die vier Monate dort waren einzigartig, herausfordernd; sie waren turbulent. Und immer wieder hat Gott mir in dieser Zeit die Augen geöffnet: für die vielschichtige Not der Menschen um mich herum, für die Hoffnung, die Jesus in die dunkelsten Orte bringen kann und dafür, dass mich Gott genau dort gebrauchen will. Plötzlich nahm ich Menschen und Situationen ganz neu wahr. Ich konnte meine Augen nicht länger vor dem schliessen, was unangenehm oder schmerzlich war – auch wenn ich das manchmal gerne gemacht hätte – mein Herz war verändert worden.

2012 hatte ich das Privileg ganz nach New York zu ziehen, um Mitarbeiterin bei Metro zu werden. Täglich wurde ich mit Kriminalität, Armut, zerrütteten Familien konfrontiert und sah Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in den Augen vieler Kinder, Teenager und Eltern.

Und immer wieder, vor allem wenn ich von der grossen Not überwältigt und fast betäubt war, betete ich dieselben Worte:

Herr, öffne du mir die Augen.

Und immer wieder hat er meine Augen auf seinen guten Plan gerichtet und meinem Blick auf Kinder gelenkt, denen er begegnen wollte.

Kinder wie Imani*, ein 12-jähriges Mädchen aus der Bronx, deren Familie ich lange Zeit begleiten durfte. Imani kam aus einer atheistischen Familie, weder ihre Eltern noch ihre älteren Geschwister glaubten an Gott. Doch Imani kam jede Woche zur Sonntagschule auf dem Bürgersteig vor ihrer Wohnung, sie spielte die Spiele, tanzte und hatte Spass, genau wie alle anderen Kinder. Und genau wie bei allen anderen Kindern hoffte und betete ich, dass Gott sie durch die Sonntagschule berühren und verändern würde. Eines Tages rief sie mich an und las mir ein Gebet vor, dass sie selbst geschrieben hatte. Ich fragte sie erstaunt, wo sie so beten gelernt hätte.

„Na bei euch!“, war ihre Antwort, „ihr betet doch immer mit uns, da hab ich das gelernt.“

Viele gemeinsame Gebete, Sonntagschulprogramme und Hausbesuche später entschied sich dann auch Imanis Mutter wieder in eine Gemeinde zu gehen und bald besuchte die ganze Familie unsere Gottesdienste am Sonntag. Letzten Sommer besuchte Imani dann das Sommercamp für das ihre Patin bezahlt hatte. Als ich sie am ersten Abend fragte, was sie denn vom Sommercamp erwartete, sagte sie „Ich will Gott näher kommen. Und ich will keine schlechten Gedanken mehr über mich selbst haben. Ich denke immer, dass ich hässlich und nicht gut genug bin.“ Was für ein tiefer Wunsch für ein Kind? Ich hatte erwartet, dass sie sich am meisten auf den See, die Spiele oder das gute Essen freuen würde… An diesem Abend beteten wir zusammen und ich ermutigte sie, selbst in der Bibel nachzulesen und Gott zu bitten, ihr Herz zu verändern. Ein paar Tage später, nachdem ich Imani und die anderen Kinder wieder nach Hause gebracht habe, rief mich Imanis Mutter an. „Elena! Kannst du mir mal sagen, was mit Imani los ist?“, überrascht fragte ich nach, was sie meinte. „Naja, ich kann es nicht so recht beschreiben aber irgendwas ist anders mit ihr. Sie hat einen ganz anderen Ausdruck und kommt mir viel fröhlicher vor. Und sie meinte, dass Gott sie verändert hat. Sag mir bitte, was ich mit ihr zusammen in der Bibel lesen kann – ich will, dass sie auch zuhause weiter wächst.“

Auch jetzt noch freue ich mich von Herzen, wenn ich darüber nachdenke.

Ich bin so dankbar, dass ich immer sehen durfte wie Jesus Veränderung bringen kann und wie er eine einfache Person wie mich dabei benutzen möchte.

Seit August 2018 wohne ich wieder in Deutschland und bereite mich gerade auf ein Studium vor. Vieles hier ist anders, aber immer noch bin ich umgeben von Menschen, die in ihrer ganz persönlichen Not Hoffnung suchen. Und deswegen bete ich auch heute noch „Herr, öffne du mir die Augen.“

Elena aus Deutschland (ehemals Mitarbeiterin)

Im Zentrum unserer Arbeit steht die persönliche Beziehung zu den Kindern und ihren Familien. Die Metro World Child Mitarbeitenden besuchen die Kinder wöchentlich in ihrem Zuhause.
Der Kern unseres Dienstes ist es, den Kindern die frohe Botschaft von Jesus Christus mit der Sonntagsschule zu bringen. Unser Ziel ist es, das Wort Gottes als Samen in die Herzen der Kinder zu pflanzen – mit der Hoffnung, dass wir sie nicht nur mit dem Verständnis wer Gott ist wachsen sehen dürfen sondern auch was Er für einen grossartigen Plan in ihrem Leben hat.
Für viele der Kinder ist die Sonntagsschule, welche ihnen eine positive Alternative zu den viel zu vielen negativen Einflüssen von den sie täglich umgeben sind, das Highlight der Woche!
*Name zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Metro World Child Sonntagsschulprogramm

Die Sonntagsschule ist das Herzstück der Arbeit von Metro World Child. Rund um die Welt werden diese Programme während der Woche durchgeführt. Die Sonntagsschule ist für die Kinder eine Alternative zu den Gefahren, die in den Strassen der Städte lauern, und eine Chance, die lebensverändernde Botschaft des Evangeliums zu hören.

Das Metro World Child Sonntagsschulprogramm ist dynamisch, spannend und lehrreich und ist für Kinder aller Altersgruppen, sowie aus verschiedenen Kulturen geeignet. Deshalb wird dasselbe “Sonntagsschulmodell” in allen Ländern, in denen Metro World Child arbeitet, verwendet. Mit den Strassensonntagsschulen geht Metro World Child direkt in die Regionen, in denen die Kinder leben.

Weltweit nehmen um die 200’000 Kinder an den Programmen teil und das Modell wird auch von vielen anderen Organisationen angewendet. Mehr Informationen unter www.metroworldchild.ch


 

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